Ein bisschen Bayern in Straßburg

Gepostet von am Jan 31, 2014 in Allgemein, Print | Keine Kommentare

Ein bisschen Bayern in Straßburg

Mit ihren 1,60 m gehört Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nicht gerade zu den größten Politikern, zumindest was ihre Körpergröße angeht. Die 62-jährige kandidiert für den Posten des Generalsekretärs des Europarats in Straßburg und wäre damit die zweite Deutsche auf dieser Position. Sie kennt sich noch ganz gut aus auf den alten Fluren des Europaratsgebäudes in Straßburg. Schließlich weiß sie hier noch über fast jeden Raum Bescheid. Von der Toilette bis hin zu den Sitzungsräumen. Sieben Jahre war sie schon Abgeordnete im Ministerrat, von 2003 bis 2009, jetzt möchte sie zurück auf die große europäische Bühne.

Ihr Name ist für viele allerdings noch recht unbekannt: „Ist das nicht diese ältere Dame aus Deutschland“, sagte uns eine Norwegerin auf die Frage, ob Sie mit dem Namen Leutheusser-Schnarrenberger etwas anfangen kann. Alt ist sie nicht, im Gegenteil! Sie selbst ist vollkommen überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt für so ein Amt gekommen ist.

„Man sollte schon den ein oder anderen Ministerposten für so eine Position mitbringen“, sagte sie beim Interview in ihrem Abgeordnetenbüro im 2. Stock des Europarats. Und sie bringt einiges mit! Schließlich war sie schon Anfang der 90er Jahre im Kabinett Kohl. Auch Angela Merkel ist ein großer Fan von ihr. Deswegen freute sich 2009 die Kanzlerin ganz besonders, als der damalige FDP Chef Guido Westerwelle die Parteikollegin Leutheuser-Schnarrenberger wieder für das Justizministerium haben wollte. Westerwelle und die Kanzlerin sind nun auch verantwortlich für Leutheusser-Schnarrenbergers neue Ambitionen in Straßburg: „Es war eine gemeinschaftliche Entscheidung.“ Überhaupt unterstützt sie die Kanzlerin, wo es nur geht, das gibt ihr Kraft und das braucht sie auch.

Der bisherige Amtsinhaber Thorbjørn Jagland hat nämlich gute Chancen wieder gewählt zu werden. Auf Kaffeekränzchen, um die Abgeordneten von sich zu überzeugen, will Leutheuser-Schnarrenberger aber verzichten. Sie möchte lieber durch ihre Ideen und Reformen glänzen.

Für Begegnungen ist sie dennoch immer zu haben – über die Parteigrenzen hinweg. So hat sie das viele Jahre in Berlin immer geliebt. „Es war mir egal, wer in der Opposition oder in der Regierung war. Ich kam mit jedem aus und ging auch gerne mit allen einen Schluck Wein trinken.“ Das hat für sie das politische Leben in Berlin ausgemacht. Ob das in Straßburg auch mal so sein wird, wird sich zeigen.

Sie kennt zwar die Gänge noch von früher. Aber die anderen Abgeordneten haben Sabine Leutheuser-Schnarrenberger offenbar nicht auf dem Schirm. Das dürfte sich bald ändern. Denn der Ministerrat hat sie am 21. Februar endgültig auf die Kandidatenliste den hohen Posten im Europarat gesetzt.

Falls es nicht klappen sollte, ist sie aber nicht traurig. Bayern sei doch schließlich auch schön und da will sie alt werden. Egal ob jetzt, oder erst in ein paar Jahren. Während sie das sagt, merkt man ihr deutlich an, dass sie in Straßburg vorher noch einmal politisch aufblühen möchte. Vielleicht gibt es ja als Kompromiss bald Weißwurst in der Kantine des Europarats. Eben ein bisschen Bayern in Straßburg.

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